Die Geschichte des "Kleinen Onkels"

So sah Klein Speedy aus, als wir ihn als Pflegling bekamen. Er war ein witziger kleiner Kerl mit viel zu großen Ohren. Und aufgrund seiner bemerkenswerten Fellfarbe, die uns stark an das Pferd einer gewissen Pipi Langstrumpf erinnert hat, hatte Speedy sehr schnell seinen Spitznamen weg: Kleiner Onkel.

Er hat sich sehr schnell mit unserem Rudel angefreundet, und selbst vor der dominanten Piwi hat er keine Angst. Das imponierte ihr so sehr, dass sehr gern und oft mit ihm spielte... .

Auch unsere Curly fand ihn zum Spielen prima geeignet, und an diesen herrlichen Ohren kann man ja so toll ziehen... .

So gewann unser kleiner Onkel sehr schnell das Herz aller Zwei- und Vierbeiner in unserem Haus.

Bei einem so süßen Kerlchen lassen natürlich die ersten Interessenten nicht lang auf sich warten. Speedy wurde auserwählt, einer kurz zuvor verwitweten Dame die Tage zu verschönern. Leider stellte sich bereits nach zwei Tagen heraus, dass dieses Vorhaben aber viel zu früh angesetzt war: die Dame bruachte noch Zeit für sich, und wir bekamen Speedy wieder. Die Freude beiderseits war groß, und der kleine Onkel tobte wieder durch unseren Garten.

Wenige Tage später war eine Familie ganz begeistert von unserem Onkelchen. Die Kinder waren begeistert, die Eltern ebenso, und auch Speedy schien nichts dagegen zu haben. Also bekamen sie ihn. Trotz Unsicherheit darüber, wie groß er wohl später einmal werden würde. Denn das bei Mischlingen vorherzusagen ist beinah unmöglich. Mit seinen kleinen Pfötchen ließ er uns vermuten, ca. mittelgroß zu werden.

Eine Nachfrage wenige Tage später erbrachte, dass das neue Rudel von Speedy hervorragend mit ihm zurechtkam und ihre Wahl nicht bereute. Damit erachteten wir Speedys Suche nach einer neuen Familie als erfolgreich beendet. Doch leider war dem ganz und gar nicht so. Drei Wochen später erhielten wir vom Tierschutzverein einen Anruf: man wolle unseren kleinen Onkel wieder hergeben. Er sei zu groß geworden! Wir waren geschockt, nicht von dem angeblichen Wachstum, sondern darüber, wie jemand es fertigbringt, einen kleinen Hund nach drei Wochen einfach wieder herzugeben. Zumal es uns bei jedem einzelnen Pflegling immer noch sehr schwerfällt, ihn herzugeben, selbst wenn wir das neue Zuhause für perfekt halten... . Jedenfalls bekamen wir den Kleinen Onkel wieder. Obwohl - so klein war er wirklich nicht mehr. Speedy hatte in den drei Wochen einen schier unglaublichen Schuß in die Höhe gemacht. Das tat seiner Verschmustheit allerdings keinen Abbruch. Die Ohren flogen wie immer beim Rennen, und kuscheln war immer noch das Größte.

 

Doch das Glück hatte den Kleinen Onkel nicht verlassen. Wir hatten inzwischen noch einen Wurf Welpen aus Griechenland bekommen, zwei Rüden und ein Mädchen, eines wuscheliger als das andere. Und für einen von diesen Bärchen kamen nun zwei Interessenten, die sich im Internet in sie verguckt hatten.... . Sie gingen mit Speedy nach Hause. Ein ausführliches Gespräch brachte hervor, dass er viel besser für diese Familie geeignet war. Mal abgesehen davon hatte sich Speedy diese beiden Zweibeiner wohl schon selbst ausgesucht. Jedenfalls benahm er sich so. Was sollten wir dann noch sagen?

Und wir sind überglücklich über diesen Lauf der Dinge. Denn heute ist Speedy bzw. Picasso, wie er jetzt heißt, bei einer Familie, die mit ihm durch Dick und Dünn geht, und bei der er es einfach supergut hat. Und dass auch die Familie begeistert von ihrem Vierbeiner ist, sollen die folgenden E-Mails zeigen, die wir von ihnen bekommen haben. Am meisten hat uns im Übrigen die Größe erstaunt, zu der sich der Kleine Onkel gemausert hat. Wir werden niemals wieder Prognosen über die zunkünftige Größe eines Mischlingswelpen mit unbekannten Eltern abgeben!

E-Mails der neuen Besitzer:

Erhalten am 12.08.2002:

Wir wollten mal wieder einen kleinen Sachstand über Picasso durchgeben: 

Mittlerweile wiegt der „Zwerg“ 9,3 kg (Stand vom 10.08.2002), hat die letzte Impfung hinter sich und ist „gechipt“ worden. Ergo ist er ab sofort bei der TASSO gemeldet. 

Picasso ist der absolute Familienhund, er klebt uns förmlich an den Füssen und ist jederzeit bereit, sich mit uns auf dem Sofa oder auf dem Bett breitzumachen. Leider führt das hier und da zu einigen Schlafstörungen unsererseits, da er eine komplette Betthälfte gerne mal für sich beansprucht. 

Kreativ ist unser Picasso auch. Wenn er alleine zu Hause ist, schleppt er alle greifbaren Kleidungsstücke in sein Körbchen bzw. in unser Bett – auch vor Toilettenbürsten wird da nicht unbedingt Halt gemacht. Naja, der Kleine hat halt sonst nichts zum Spielen (hi, hi). Zu seinen Lieblingsspielzeugen zählen hauptsächlich meine Schmusetiere, es sind jetzt seine, ein Handfeger und ein Quitscheigel (den haben wir mittlerweile ins Auto verbannt, da es sonst nicht auszuhalten ist). Katzenspielzeug wird hier und dort auch mal gerne benutzt. Zum Fahradfahren sind wir bisher noch nicht gekommen, da wir sein neues Fahrradkörbchen erst einmal reparieren müssen. Sollte jetzt vielleicht der Hinweis kommen, dem Hund einen Kauknochen zur Verfügung zu stellen, so müssen wir mal leicht grinsen, denn er hat mehr Kauknochen, als er jemals verarbeiten kann – im Auto, in beiden Wohnungen, in fast jeder Jackentasche sowie in einigen Handtaschen bzw. Rucksäcken.

Nein, der Hund wird überhaupt nicht verwöhnt!!! 

Kurzum, Picasso macht uns sehr viel Freude, und wir erleben jeden Tag etwas Neues mit ihm. Er hat seinerseits schon sehr viele Freunde in Düsseldorf gefunden. Es sind zwar hauptsächlich unsere Arbeitskollegen, denen hier und da schon mal die Butterbrote aus der Hand rutschen, aber einen „Landsmann“ hat er auch kennengelernt. Sein Freund heißt Paco und ist ein Podenco (unsere Tierärztin meint, dass Picasso zum Teil ein Podenco und zum anderen ein English Pointer wäre, definitiv werden wir es aber erst wissen, wenn er ausgewachsen ist – anhand seiner Körpergröße). Weiter kann Picasso mit einer Freundin – Annabelle (franz. Bulldogge) – aufwarten. 

Ich behaupte ganz einfach einmal, dass Picasso glücklich und zufrieden ist. Wir im übrigen auch!!!!!!!!

Wir haben die Entscheidung, Picasso genommen zu haben, bis heute nicht bereut und sind sogar froh, dass es so gelaufen ist. Es hat eben sollen sein.

 Da wir leider keine Kamera besitzen, müssen wir immer abwarten, bis Freunde Picasso fotografieren. Mit viel Glück können wir aber ca. Anfang September mit einigen Bildern aufwarten – besteht Interesse?

 So, das wär’s erst einmal. Wir könnten zwar ganze Romane über unseren Schnuffel-Prinzen (er hat die Nase stets am Boden), doch würde dies den Rahmen sprengen. Viele Grüße an Frau Gärtner. Bis zum nächsten Mal. 

Jörg Stockhammer & Claudia Richter 

P.S. Picasso hat noch einen 2. Namen erhalten: Er heißt jetzt (scherzhaft) Picasso Valentin Stockhammer. Valentin steht für seinen Geburtstag, wir haben uns für den 14.Februar entschieden.

 

Erhalten am  13.10.2002:

Hallo,

anbei schicken - wie versprochen - etwas ältere Bilder (August 2002) von unserem Picasso. Es sind jedoch immer noch nicht alle und leider auch nicht die besten Aufnahmen. Sobald ich den Rest eingescannt habe, kommt dieser umgehend nach und ihr könnt Euch die besten Bilder raussuchen.

Wir haben uns heute Eure neue HP angesehen und waren begeistert. Vor allen Dingen, weil wir unter "Happy Ends" ein Bild von unserem Picasso alias Speedy wiedergefunden haben. Kleine Anregung am Rande: Wenn man die Bilder anklickt wäre es schön, wenn man Hintergrundinfos bekommt. Oder wo finden wir z. B. die Geschichte unseres Picassos wieder? Natürlich möchten wir mit unserem kleinen Satansbraten ein klein wenig angeben. Die ganze Familie (ich glaub' die Katzen interessiert dieses nicht wirklich) ist stolz auf das jüngste Mitglied und seinem Bild auf Eurer HP. Ganz besonders stolz auf ihn sind seine "Großeltern" !!!

Manchmal drängt sich bei uns der Eindruck auf, dass es den Katzen und besonders dem Hund (da er ja immer mitkommt) besser geht als uns. Wir bekommen nicht bei jedem Erscheinen ein Leckerchen oder kleine Aufmerksamkeiten in form eines Spielzeuges. Picasso wird total verzogen. Kurzum; er ist der Sonnenschein der ganzen Familie.

Jetzt haben wir aber noch ein Anliegen:
Im Februar (vermutlicher Geburtsmonat von Picasso - sein Geburtstag haben wir übrigens auf den 14. festgesetzt) lassen wir ihn kastrieren und auch direkt seinen Nabelbruch korrigieren. Im Anschluss daran wollten wir die Kastrationsbescheinigung bei Euch vorlegen - allerdings persönlich.
Ergo, wir würden gerne mit Picasso an einem Samstag oder Sonntag nach Alzey kommen. Interesse?

So, das wars für heute. Die nächsten Bilder schicke ich im Laufe der Woche.

Claudia Richter

P.S.: Ist es normal für eine Hund, dass er ganz wild auf Möhrensaft ist?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Erhalten am 8.11.2002:

Hallo,

wir haben uns mit großem Interesse die HP angesehen und waren begeistert. Selbstverständlich habe ich die Adresse an jeden der sie haben wollte oder auch nicht weitergeben. Außerdem habe ich einige Ausdrucke gemacht; einer davon hängt in meinem Büro.

Jetzt sind wir mal auf die Geschichten der anderen Happy Ends gespannt.

Picasso geht es nach wie vor gut, den Blödsinn den er verzapft wird nicht weniger. Mittlerweile hat er schon zwei Paar Schuhe, 1 Mascara, 1 Lidschatten-Dose und einen Eßlöffel "gekillt". Von den diversen Zeitungen die er auseinander nimmt wollen wir gar nicht erst reden. Kurz und gut: Mit ihm wird es nie langweilig.

Unlängst hat er Bekanntschaft mit einer Baby-Feldmaus gemacht.
Er spielt sehr gerne mit den Fellmäusen meiner Katzen. Er schiebt sie sich in die Schnute und da er weiß, dass er diese eigentlich nicht haben darf, kommt er direkt damit angerannt. Picasso spuckt sie aber nicht aus. Nein, er sitzt mit einer Unschuldsmiene vor einem und guckt einen ganz unterernährt an. Wenn da nicht die Beule an seinem Maul wäre, würde man gar nicht wissen warum er vor einem sitzt. Ein kurzer Befehl und er spuckt die Fellmäuse ganz artig aus.
Nun hat er letzthin eine echte Maus gesehen (sie war nicht größer als eine Fellmaus) und sie sich auch gleich geschnappt. Mit seiner Super-Beute ist er dann direkt zu Jörg und dieser hat ihm dann (mit erhobenem Zeigefinger und der Angst die Maus sei an einem Herzinfarkt gestorben) erklärt, dass er die Maus auszuspucken habe. Hat unser Pico auch sofort getan und siehe da, die Maus lebte noch - dafür war sie aber klatschnass. Nun hätte aber Picasso gerne mit dem neuen kleinen Freund gespielt, doch Herrchen zeigte sich äußerst herzlos und schnappte sich die Maus und setzte sie ins nächstgelegene Gebüsch, damit diese zu ihrer Familie konnte.
Unser Picasso ist aber keineswegs dumm und hat sich  bei seinen Spaziergängen vor der Tür direkt an die Hecke gestellt und auf seinen neuen Freund gewartet. Und siehe da seine Geduld wurde belohnt. Diesmal war unser Schlitzohr aber etwas cleverer (wie er meinte). Er schnappte sich die Maus und zog sich auf den Rasen zurück; blieb dort (mit der Maus in der Schnauze) liegen und gab keinen Ton von sich. Doch leider hat das böse Herrchen dieses gesehen und verlangte von Picasso die Maus umgehend auszuspucken. Ein artiger Hund gehorcht sofort und so hat Pico die Maus (wieder pladdernass) ausgespuckt. Diesmal ist er jedoch liegen geblieben und hat sich erst einmal ganz ruhig verhalten. Der Maus hat dieses zugelassen und ist torkelnderweise zu unserem "Mäusefänger" hingegangen. Man hat sich gegenseitig beschnuppert und fand den anderen ganz toll. Trotzdem mußte die Maus offensichtlich nach Hause und unser Picasso hat sie auch ziehen lassen. Aber die Hecke beobachtet er immer noch jeden Tag - doch leider hat es den Anschein, dass einer Nachbarskatze die Maus auch gefiel und diese hatte wohl Hunger, denn seit dem ist Picasso's kleiner Freund nicht mehr aufgetaucht.
Wir können Euch versichern, dass das alles ein super tolles Bild war, doch leider hatten wir keine Kamera griffbereit.

Zumindest ist damit bewiesen, dass Picasso ein stark ausgeprägtes Sozialverhalten hat und er keiner Fliege bzw. Maus etwas zu Leide tun kann. Somit können wir auch den Verlust unserer Schuhe hier und da verschmerzen.

Bis zum nächsten Mal.

Jörg Stockhammer & Claudia Richter
 

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Wir haben leider eine sehr traurige Nachricht. Picasso wurde am 19. März 2003 überfahren, als er sich losriss, um eine Taube zu verfolgen. Er war sofort tot. Kurz vorher hatte er seinen 1. Geburtstag gefeiert.

Wir wissen, wie sehr seine Familie darunter leidet, und wir trauern aufrichtig mit ihr. Der "kleine Onkel" Picasso war einer der tollsten Hunde, die es gibt. Aus den oben abgedruckten Berichten seiner Familie läßt sich leicht ablesen, wie sehr er geliebt wurde.

Wir hoffen, dass Picasso Familie bald über den schmerzlichen Verlust hinweg kommt.

Denn Picasso wartet nun auf der anderen Seite der Regenbogenbrücke auf sie.

Familie Adam & das ganze Team des Tierschutz Bensheim